Städte der Zukunft

2050 werden vermutlich etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung in urbanen Regionen leben. Wir stehen vor riesengroßen Herausforderungen, für die es viele einzelne Lösungen gibt. Wir müssen uns nur trauen! Land auf, Land ab ist festzustellen, dass die Einsicht und auch der Mut zu großen Veränderungen bei den normalen Bürger*innen viel größer ist, als bei den abwartenden Politiker*innen. Wenn wir mit einem „Wir-Gefühl“ bei den Projekten zusammenkommen und ein gemeinsames Verständnis für die Herausforderungen, die Wünsche und die Handlungsoptionen entwickeln, dann entsteht Zukunftslust – dann ist Zukunft möglich!


Und was tun wir Stadtplaner*innen für ein angenehmes Stadtbild?

Manchmal sieht man sie noch, diese Städte, die man nicht erklären muss. Man betritt sie – und spürt: Hier stimmt etwas. Die Sonne fällt auf den Platz, der sich selbstverständlich öffnet. Das Haus nebenan weiß, dass es nicht das wichtigste ist, und das Denkmal weiß, dass es nicht in die Mitte gehört. Menschen bleiben stehen, ohne dass jemand ein Schild „Aufenthaltsqualität“ aufgestellt hätte.

Und dann gibt es jene anderen Städte: überplant, überhitzt, überfordert. Sie sind ordentlicher als ihre Bewohner*innen, aber lebloser als ihre Laternen. Sie bestehen aus lauter richtig gemachten Fehlern: Verkehr optimiert, Nutzungen sortiert, Bäume abgezählt – und doch will man dort nicht bleiben.

Was also tun wir, wir Stadtplaner*innen und Architekt*innen, für ein angenehmes Stadtbild? Vielleicht sollten wir wieder lernen, aufzuhören nur richtig zu planen – und anfangen, schön zu denken. Camillo Sitte hat das bereits vor mehr als hundert Jahren gefordert: Städte sollten wie gute Bilder komponiert sein, nicht wie technische Zeichnungen.

Denn das Stadtbild ist kein Produkt, das man fertigstellen kann. Es ist ein Versprechen, welches man täglich erneuern muss – zwischen Straßen und Fassaden, zwischen Menschen und Maßstab, zwischen Gestalt und Gebrauch.

Zehn Dinge, die uns wichtig sind

  • Räume statt Flächen entwerfen.
    Eine Stadt ist kein Puzzle aus Grundstücken, sondern ein Geflecht aus Räumen, Beziehungen und Blicken.
  • Den Maßstab des Menschen achten.
    Was wir bauen, soll nicht beeindrucken – sondern einladen.
  • Das Gewachsene respektieren.
    Jede Stadt hat Schichten. Wer sie übermalt, verliert die Tiefe.
  • Unregelmäßigkeit zulassen.
    Schönheit entsteht oft da, wo etwas nicht ganz passt – aber Sinn macht.
  • Bauwerke in Beziehung setzen.
    Ein Haus ist kein Solist. Es spielt im Ensemble.
  • Plätze wieder ernst nehmen.
    Der öffentliche Raum ist kein Rest – er ist das Wohnzimmer der Stadt.
  • Material und Atmosphäre denken.
    Beton ist nicht das Problem, Gleichgültigkeit schon.
  • Menschen als Maß der Dinge begreifen.
    Nicht Drohnenbilder sollen überzeugen, sondern der Blick auf Augenhöhe.
  • Gestaltung verteidigen – auch gegen Ökonomie.
    Schönheit kostet. Hässlichkeit auch, nur später.
  • Zulassen, dass Stadt nie fertig ist.
    Das Stadtbild ist ein Gespräch, kein Endprodukt. Es lebt vom Weiterbauen, nicht vom Perfektionieren.

Die eigentliche Aufgabe des Städtebaus ist es nicht, Ordnung zu schaffen, sondern Stimmung zu halten. Eine Stadt, in der Menschen sich wohlfühlen, sieht am Ende immer gut aus.