Berlin, Luisenblock Ost II

Auch wenn es kein Preis wurde: Die Auseinandersetzung städtebaulichen-freiraumplanerischen Wettbewerb Luisenblock Ost II in Berlin mit einem so wichtigen Stadtbaustein hat unserem Team unglaublich viel Spaß gemacht! Unser Konzept für den besonderen Standort: Auf engem Raum entsteht ein robustes, urbanes und identitätsstiftendes Quartier. Durch die Kombination aus differenzierter Nutzungsverteilung, lärmrobuster Baukörperanordnung und nachhaltigen Maßnahmen haben wir ein zukunftsfähiges Stück Stadt entwickelt. Zusammen mit qualitätsvollen Freiräumen fügt sich der Entwurf perfekt in den historischen Kontext ein und formuliert zugleich eine eigenständige, unverwechselbare Adresse.

SpreeBLICK – StadtGLÜCK. Ein Quartier für Politik und Alltag.

Der Entwurfstitel beschreibt programmatisch das Selbstverständnis des Quartiers: Der Blick zur Spree, die Öffnung zum Stadtraum und die Verbindung unterschiedlicher Nutzungen bilden die Grundlage für ein urbanes, lebendiges und eigenständiges Stück Berlin. Der Luisenblock Ost wird als eigenständiger Baustein im Parlaments- und Regierungsviertel verstanden, der die besondere Dichte, die funktionale Mischung und die räumlichen Kontraste dieses Ortes in eine klare städtebauliche Ordnung übersetzt. Zwischen Spreeufer, Stadtbahnviadukt und Bundestagsstandort entsteht ein Quartier, das Politik, Arbeiten, Wohnen und Öffentlichkeit auf engem Raum zusammenführt und gerade daraus seine urbane Qualität entwickelt.

Aus dieser Zielsetzung heraus wird die Baumasse in vier eigenständige Baukörper gegliedert. Zwei Baukörper sind den Nutzungen des Deutschen Bundestages zugeordnet und stärken die räumliche und funktionale Anbindung an die bestehenden Parlamentsgebäude im Westen. Ein weiterer Baukörper ist dem Wohnen vorbehalten, während ein vierter Baukörper eine Mischnutzung aus Wohnen und gewerblichen Nutzungen aufnimmt.

Die gewählte Struktur ermöglicht eine klare funktionale Trennung bei gleichzeitiger städtebaulicher Verzahnung. Alle Baukörper sind unabhängig voneinander realisierbar und tragen so zu einer phasenweisen Entwicklung des Quartiers bei. Gleichzeitig entsteht durch ihre Anordnung ein zusammenhängendes Ensemble mit differenzierten Freiräumen und klaren Adressbildungen.

Die Gebäudekubaturen reagieren auf die komplexen Rahmenbedingungen des Standorts. Sichtbeziehungen zur Spree werden gezielt freigehalten und inszeniert, während entlang der nördlichen Kante ein lärmrobuster Städtebau ausgebildet wird, der die Emissionen der Bahntrasse abschirmt. Die Höhenentwicklung orientiert sich grundsätzlich an der Berliner Traufhöhe und wird punktuell durch Hochpunkte akzentuiert.

Ein markanter Hochpunkt am Spreeufer bildet den räumlichen Bezug zu den bestehenden Parlamentsbauten und interpretiert deren architektonische Sprache in zeitgemäßer Form. Weitere Höhenakzentuierungen entlang der Bahnlinie stärken die Sichtbarkeit und Wahrnehmbarkeit des neuen Stadtbausteins für Zugreisende.

Fußgängerperspektive – Spreepromenade
Städtebaulicher Entwurf – o.M.
Nutzungskonzept

Das Nutzungskonzept folgt dem Leitbild eines lebendigen, gemischt genutzten Quartiers. Gerade in der Überlagerung unterschiedlicher Nutzungen wird der Anspruch des Entwurfs sichtbar: Hier treffen Politik und Alltag, Arbeiten und Wohnen, institutionelle Nutzungen und öffentliche Räume selbstverständlich aufeinander. Der Ort wird nicht monofunktional verstanden, sondern als dichtes Stück Stadt mit einer eigenständigen urbanen Identität.

Die Nutzungen des Deutschen Bundestages werden räumlich konzentriert und unmittelbar an die bestehenden Strukturen angebunden. Dadurch entstehen funktionale Synergien und kurze Wege innerhalb des Parlamentsstandortes.

Die Wohnnutzungen werden in den stärker zur Spree orientierten Bereichen verortet und profitieren von der hohen Aufenthaltsqualität am Wasser. Ergänzend werden im Mischnutzungsgebäude gewerbliche Nutzungen integriert, die zur Belebung des Quartiers beitragen.

Besondere Bedeutung kommt den Erdgeschosszonen zu. Entlang der Spreepromenade sowie an den zentralen Platzbereichen sind publikumsorientierte Nutzungen wie Gastronomie und kleinteiliges Gewerbe vorgesehen. Diese aktivieren den öffentlichen Raum und schaffen eine lebendige Uferzone mit hoher Aufenthaltsqualität. Die darüberliegenden Geschosse nehmen weniger öffentliche, eher interne Nutzungen auf.

Erschließung und Mobilität

Die äußere Erschließung des Quartiers erfolgt über die nördlich verlaufende Planstraße parallel zur Bahntrasse. Hier werden die notwendigen Andienungs- und Erschließungsfunktionen gebündelt. In den entstehenden Raumsequenzen entlang dieser Straße sind Fahrradabstellanlagen und Fahrradgaragen integriert.

Die Tiefgaragenzufahrt befindet sich im östlichen Bereich und erschließt insbesondere die Flächen des ver.di-Gebäudes. Die Bundestagsnutzungen werden zusätzlich über das bestehende unterirdische Erschließungssystem an die Adele-Schreiber-Krieger-Straße angebunden, wodurch eine funktionale und sichere Anbindung gewährleistet wird.

Innerhalb des Quartiers sind die Freiräume weitgehend verkehrsberuhigt ausgebildet. Sie stehen primär dem Fuß- und Radverkehr zur Verfügung und sind lediglich für Rettungs- und Servicefahrzeuge befahrbar. Entlang der Spree wird die übergeordnete Fuß- und Radwegeverbindung als durchgängige Promenade weitergeführt und in das Quartier integriert.

Stadt: Berlin
Auftraggeberin: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Berlin
Flächengröße: ca. 3 ha
Kooperation: MOLA Landschaftsarchitektur GmbH, Illlustrakies

Freiraumkonzept

Das Freiraumkonzept basiert auf einer klaren Gliederung in öffentliche und halböffentliche Räume mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten. Zentrales Element ist die Spreepromenade als identitätsstiftender Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität. Hier wird der SpreeBLICK des Entwurfs unmittelbar räumlich erfahrbar.

Zwei Platzsituationen strukturieren das Quartier: Ein repräsentativer Platz im Bereich der Bundestagsnutzungen sowie ein kleinerer Quartiersplatz mit gastronomischem Angebot. Letzterer dient als Treffpunkt und stärkt die soziale Interaktion im Quartier. Hier wird auch das StadtGLÜCK des Entwurfs lesbar: Der Luisenblock zeigt sich nicht als abgeschlossener Komplex, sondern als offenes, vielstimmiges Stück Stadt mit Orten des Ankommens, Begegnens und Aufenthalts.

Die vorhandenen Baumstrukturen entlang der angrenzenden Straßenräume werden aufgenommen und innerhalb des Plangebiets fortgeführt. Dabei entstehen sowohl einreihige als auch abschnittsweise doppelreihige Baumalleen, die das Quartier räumlich fassen und zur klimatischen Verbesserung beitragen.

Aufgrund der begrenzten Freiflächen im Erdgeschoss werden ergänzend nutzbare Dachflächen und Dachterrassen vorgesehen. Diese erweitern das Angebot an Aufenthaltsflächen insbesondere für die Bewohner*innen und Beschäftigten und schaffen zusätzliche Freiraumqualitäten in der Vertikalen.

Klimakonzept und Nachhaltigkeit

Das Entwurfskonzept verfolgt einen integralen Ansatz zur Klimaanpassung und Nachhaltigkeit. Ziel ist es, die Freiflächen weitgehend zu entsiegeln und die natürliche Versickerung von Regenwasser zu ermöglichen. Damit wird das Prinzip der Schwammstadt aufgegriffen und ein Beitrag zur Reduzierung von Überflutungsrisiken geleistet.

Die Gebäude sind mit extensiven und intensiven Dachbegrünungen ausgestattet, die zur Retention von Niederschlagswasser, zur Verbesserung des Mikroklimas und zur Reduzierung von Hitzeeffekten beitragen. Ergänzend werden Fassadenbegrünungen eingesetzt, um die ökologische Qualität weiter zu erhöhen.

Zur Energiegewinnung werden Photovoltaikanlagen auf geeigneten Dachflächen integriert. Die Kombination aus Begrünung und Energiegewinnung unterstützt eine nachhaltige und zukunftsfähige Quartiersentwicklung.

Fazit

Mit „SpreeBLICK – StadtGLÜCK. Ein Quartier für Politik und Alltag.“ formuliert der Entwurf einen klaren Anspruch: Auf engem Raum entsteht ein robustes, urbanes und identitätsstiftendes Quartier, das den besonderen Anforderungen des Standorts gerecht wird. Durch die Kombination aus differenzierter Nutzungsverteilung, lärmrobuster Baukörperanordnung, qualitätsvollen Freiräumen und nachhaltigen Maßnahmen entwickelt der Entwurf ein zukunftsfähiges Stück Stadt, das sich in den Kontext des Berliner Regierungsviertels einfügt und zugleich eine eigenständige, unverwechselbare Adresse formuliert.

Schnitte A-A und B-B