Ortenberg, Neuer Ortskern Ortenberg

Unser Konzept im städtebaulichen-freiraumplanerischen Wettbewerb Neuer Ortskern Ortenberg:
Eine zusammenhängende, identitätsstiftende Mitte, die fragmentierte Stadträume funktional und räumlich miteinander verknüpft. Das Herzstück bildet eine durchgehende Grünachse als zentrales Rückgrat. Sie verbindet die Maria-Sibylla-Merian-Schule, den neuen Stadtplatz und das Herrngartengelände harmonisch bis hin zur Nidder. Auch wenn es dieses Mal leider nicht für eine Platzierung gereicht hat, sind wir stolz auf unseren Entwurf.

Neuer Dorfkern Ortenberg – Wir wachsen zusammen.

Leitidee

Der Entwurf entwickelt für den Ortenberger Kernbereich eine zusammenhängende, identitätsstiftende Mitte, die die bislang fragmentierten Stadträume funktional und räumlich miteinander verknüpft. Ausgangspunkt ist eine durchgehende Grünachse, die als zentrales Rückgrat die Maria-Sibylla-Merian Schule, den neuen Stadtplatz und das Herrengartengelände bis hin zur Nidder verbindet.

Diese Achse stärkt gezielt die innerörtlichen Wegebeziehungen und greift damit ein zentrales Defizit der bestehenden Struktur auf, in der bislang klare Verbindungen zwischen Altstadt, Freiräumen und dem Flussraum mit begleitendem Vulkanradweg fehlen. Gleichzeitig entsteht ein klimaangepasster Freiraum, der Bewegung, Aufenthalt und Begegnung miteinander verbindet und die Stadt als zusammenhängendes Ganzes erlebbar macht.

Fußgängerperspektive Johannes Prünte
Fußgängerperspektive
Grafik Vertiefungsbereich gesamt
Vertiefungsbereich
Stadtbausteine, Freiräume und Nutzungsmischung – Ein Trialog aus Altstadtauftakt, grünem Herrengarten und Marktplatz

Die neue Stadtmitte wird als Abfolge klar definierter, zugleich jedoch eng miteinander verzahnter Stadträume ausgebildet. Der Auftakt zur Altstadt erfolgt über einen „Infopunkt für Touristen“ mit integriertem Büro für den Fahrradverleih, das als sichtbares Entrée fungiert und die touristischen Potenziale Ortenbergs stärkt.

Am zentralen Stadtplatz bündeln sich öffentliche Nutzungen: Die Zusammenlegung von Sparkasse und Volksbank in einem Gebäude schafft Synergien und belebt den Platz dauerhaft. Ergänzt wird dies durch Außengastronomie sowie ein Wasserspiel, das die Aufenthaltsqualität steigert und zugleich einen identitätsstiftenden Ort im Stadtkern schafft.

Die Erweiterung der Stadtverwaltung südlich des historischen Postgebäudes wird räumlich neu gefasst und erhält eine vorgelagerte Gastronomie mit Außenterrasse. Diese öffnet sich bewusst zum Herrngartengelände und stärkt die Beziehung zwischen Verwaltung, öffentlichem Raum und Landschaft.

Das Herrngartengelände selbst wird als multifunktionaler Freiraum neu interpretiert. Neben großzügigen Spiel- und Aufenthaltsflächen in den Randbereichen, entstehen Retentionsbereiche zur Klimaanpassung sowie temporär nutzbare Flächen, die u. a. als Wohnmobil Stellflächen genutzt werden können. Damit wird der bisher überwiegend als Parkplatz genutzte Raum zu einem ganzjährig nutzbaren Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität weiterentwickelt. Die vorhandene rahmende ‚Grüne Kulisse‘ am Böschungsrand wird weiter qualifiziert. Im Bereich der Nidderaue und im Bereich der Stadtverwaltung gibt die Kulisse behutsam den Blick auf Stadt und Fluss frei.

Gleichzeitig bleibt die Nutzbarkeit für den „Kalten Markt“ erhalten, indem offene, flexible Flächenstrukturen auf dem grünen Platz vorgesehen werden.

Freiraumkonzept und Landschaftsbezug

Die Grünachse verknüpft die innerstädtischen Räume mit der Nidder als prägendem landschaftlichem Element. Die bislang wenig wahrnehmbare Uferzone wird geöffnet, naturnah gestaltet und durch Retentionsflächen ergänzt. Damit werden sowohl ökologische Funktionen gestärkt als auch neue Aufenthaltsqualitäten geschaffen.

Die Topografie des Herrngartengeländes wird aktiv genutzt. Eine barrierefreie Rampe ergänzt die bestehenden Wege und verbessert die Wegebeziehung Stadt – Landschaft. Die Böschung wird als gestalteter Bewegungsraum inszeniert und verbindet Stadt und Landschaft auf selbstverständliche Weise.

Die Anbindung an den überregionalen Vulkanradweg wird gestärkt und in das innerörtliche Wegenetz integriert, wodurch sowohl Alltags- als auch touristische Mobilität gefördert werden.

Grafik Freiraum- und Klimakonzept
Freiraum und Klima

Stadt: Ortenberg
Auftraggeberin: Gemeinde Ortenberg
Flächengröße: ca. 3 ha
Kooperation: MOLA Landschaftsarchitektur GmbH, Johannes Prünte

Mobilität und Erschließung

Zentrales Element des Entwurfs ist die Neuordnung des Verkehrs zugunsten einer autofreien, sicheren Stadtmitte. Die Verlegung der „Neuer Markt“-Straße ermöglicht einen zusammenhängenden, verkehrsberuhigten Stadtraum und schafft insbesondere für den Schulweg eine sichere und klare Wegeführung.

Der ruhende Verkehr wird gebündelt und neu organisiert. Am Marktplatz entstehen 44 ebenerdige Stellplätze, die insbesondere für Veranstaltungen wie den „Kalten Markt“ flexibel nutzbar sind.

Eine zentrale Mobilitätsstation mit 68 Stellplätzen auf drei Ebenen ergänzt das Angebot. Durch die topografische Einbindung tritt sie stadträumlich zurück und wahrt die Dominanz des Bürgerhauses.

Die Mobilitätsstation kombiniert Parken mit ergänzenden Nutzungen wie Paketstation, Bäckerei, Co-Working, Fahrradstation und Werkstatt. Sharing-Angebote und Fahrradverleih werden integriert und stärken die nachhaltige Mobilitätsstrategie.

Ergänzend entstehen im Straßenraum lediglich punktuelle Stellplätze (ca. 10), sodass der öffentliche Raum weitgehend vom ruhenden Verkehr entlastet wird.

Durch die Zurücknahme des Durchgangsverkehrs auf der Straße „Neuer Markt“ zwischen Marktplatz und Altstadtauftakt wird eine zusammenhängende Wegebeziehung hergestellt.

Städtebauliche Gestaltung

Der Entwurf transformiert den Ortenberger Kernbereich von einer durch Verkehr und Parkflächen dominierten Struktur zu einer lebendigen, vernetzten und klimaangepassten Stadtmitte.

Durch die klare Verknüpfung von Altstadt, Marktplatz, Stadtverwaltung und Herrngarten entsteht ein zusammenhängendes Raumgefüge mit hoher Aufenthaltsqualität, vielfältigen Nutzungen und starken landschaftlichen Bezügen.

Die neue Mitte stärkt sowohl die Alltagsfunktionen für die Bürgerschaft als auch die touristische Attraktivität und bildet damit die Grundlage für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung des Stadtkerns.