Klimaquartier „Pottacker“ Hattingen
Im Jahr 2023 haben wir im städtebaulichen Realisierungswettbewerb „Pottacker“ den 1. Preis gewonnen. In den vergangenen Jahren wurde der prämierte Entwurf gemeinsam mit der Stadt Hattingen qualifiziert und konsequent weiterentwickelt. Aktuell befindet sich das Projekt in der Aufstellung des Bebauungsplans – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Realisierung eines der ersten umfassend geplanten Klimaquartiere in Nordrhein-Westfalen.
Das Projekt orientiert sich an den Anforderungen des Programms KlimaQuartier.NRW, das vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie ausgeschrieben wird. Ziel des Programms ist es, Quartiere zu schaffen, die ökologische Verantwortung, soziale Nachhaltigkeit und zukunftsfähige Mobilität exemplarisch miteinander verbinden. Dafür stehen drei wesentliche Ziele im Mittelpunkt: eine klimafreundliche Energieversorgung mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien, ein Mobilitätskonzept, das auf nachhaltige Verkehrsmittel setzt und die Nutzung des motorisierten Individualverkehrs deutlich reduziert, sowie eine sozial und städtebaulich nachhaltige und ressourcenschonende Quartiersgestaltung. Um die komplexen Anforderungen des Programms vollständig erfüllen zu können, wird die Stadt Hattingen im Rahmen der Kooperativen Baulandentwicklung begleitet, einem Instrument, das NRW.URBAN im Auftrag des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen umsetzt.

Mobilitätskonzept
Im Konzept für das Klimaquartier Pottacker spielt das zukunftsfähige Mobilitätskonzept eine zentrale Rolle. Die Mobilitätsstationen an Pottacker und Feldstraße bündeln nahezu alle Stellplätze und schaffen damit die Voraussetzung für ein weitgehend autofreies Inneres des Quartiers. Hier werden Car- und Bike-Sharing-Angebote, großzügige Fahrradabstellanlagen, Co-Working-Räume, flexibel nutzbare Mehrzweckflächen, Energiezentralen und im nördlichen Bereich ein Café miteinander kombiniert. Durch diese Randlage der Stellplätze wird der zentrale Straßenraum „Urbanes Leben“ zu einem Ort des Aufenthalts und der Begegnung, der lediglich für Anlieferung, Rettung und Entsorgung befahrbar bleibt. Die Mobilitätsinfrastruktur fördert den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel, unterstützt eine nachhaltige Alltagsorganisation und trägt wesentlich zur Reduktion verkehrsbedingter Emissionen im Quartier bei.
Stadt: Hattingen
Auftraggeber: Stadt Hattingen
Flächengröße: ca. 3 ha
Leistungen: Ausarbeitung Siegerentwurf Wettbewerb
Kooperation: MOLA Landschaftsarchitektur GmbH
Städtebau
Auch die soziale, städtebauliche und ressourcensparende Gestaltung des Quartiers folgt konsequent den Zielen des Programms. Das städtebauliche Konzept verbindet zwei charakteristische Achsen miteinander: Im Westen bleibt das wertvolle Bestandsgrün als „Grüner Rücken“ erhalten und wird zu einem naturnahen StadtNatur-Band weiterentwickelt, das Lebensraum für Flora und Fauna bietet und durch Rückhaltung, Verdunstung und Kühlung zum lokalen Klimaschutz beiträgt. Die zentrale Achse „Urbanes Leben“ strukturiert das Quartier, schafft Adressen und stärkt das nachbarschaftliche Miteinander. Am Schnittpunkt mit der Oststraße entsteht ein Quartiersplatz, der mit Spiel- und Aufenthaltsangeboten ein sozialer Treffpunkt für Jung und Alt wird. Ergänzt wird dieses Netzwerk durch zwei Gemeinschaftshöfe im Norden und Süden, die die gradlinige Bebauung fassen und den Austausch im Quartier fördern.


Die neue Bebauung mit drei bis vier Vollgeschossen nutzt die Fläche effizient aus, ohne die Maßstäblichkeit des Ortes zu verlieren. Die vielfältige Dachlandschaft bietet Raum für Dachterrassen und gemeinschaftliche Nutzungen und ermöglicht abwechslungsreiche Sichtbeziehungen. Die vierzügige Kita wird im nördlichen Teil des Quartiers in das Bestandsgrün eingebettet und liegt in unmittelbarer Nähe zur Grundschule; sie bildet damit ein gut erreichbares, geschütztes und kindgerechtes Angebot im Quartier. Ressourcenschonung zeigt sich nicht nur in der kompakten Bauweise, sondern auch im Umgang mit dem Freiraum: Wasserdurchlässige Beläge reduzieren den Versiegelungsgrad, Zukunftsbäume sorgen für Verschattung und Kühlung, und ein oberflächliches Regenwassermanagement führt überschüssiges Wasser über eine Pflasterrinne kontrolliert ab und hält es im Gebiet.
So entsteht im Pottacker ein Quartier, das Klimaschutz, Lebensqualität und soziale Teilhabe zusammenführt. Der Entwurf zeigt, wie nachhaltige Mobilität, grün-blaue Infrastruktur und ein sozial orientierter Städtebau ineinandergreifen können, um ein zukunftsfähiges Klimaquartier mit Vorbildcharakter für Nordrhein-Westfalen zu schaffen.