Das Qualifizierungsverfahren zum Rahmenplan „Stadtteilzentrum Schotthock“ ist erfolgreich abgeschlossen. Das Verfahren wurde von der Stadt Rheine im Zuge des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) „Unser Schotthock – Auf gute Nachbarschaft!“ ausgelobt. Gefördert durch die Städtebauförderung NRW trägt das Projekt dazu bei, den größten Stadtteil Rheines nachhaltig aufzuwerten.
Aufgabe der Teams war es, städtebauliche, freiraumplanerische und verkehrsplanerische Lösungen für die zukünftige Entwicklung des Zentrums zu erarbeiten. Dabei sollte insbesondere die Bonifatiusstraße als zentrale Achse des Stadtteils mit einem ausgewogenen Verhältnis von Mobilität, Grünflächen und lebendigen Erdgeschossnutzungen neu interpretiert werden. So soll zukünftig ein Ort der Begegnung entstehen, der Schotthock funktional, sozial und gestalterisch stärkt.
An dem Verfahren nahmen drei Teams bestehend aus den Fachbereichen Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Verkehrsplanung teil. Ein Beurteilungsgremium aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Rheine, der Bezirksregierung Münster, der Kirche St. Antonius, des Stadtteilbeirats Schotthock sowie externen Fachleuten aus Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Verkehrsplanung empfahlen einstimmig den Entwurf des Teams um Pesch Partner, der nun als Grundlage für die weiteren planerischen Schritte zur Umsetzung des Rahmenplans dient.
Pesch Partner Architektur Stadtplanung GmbH | B.S.L. Landschaftsarchitekten | Brilon Bondzio Weiser Ingenieursgesellschaft mbH
Erläuterungstext (Auszug):
Planungsanlass. Das Quartier an der Bonifatiusstraße kann aufgrund der unterschiedlichen bestehenden Nutzungen – Einzelhandel, Dienstleistung, Kirchengemeinde, Wohnen – als überschaubares, ruhiges Stadtteilzentrum bezeichnet werden. Im Zentrum steht die identitätsstiftende Kirche St. Ludgerus, eingerahmt von großkronigen Bäumen. Die baumbestandenen Wiesenflächen vor der Kirche verfügen über ein hohes gestalterisches Potenzial, das bislang jedoch weitgehend ungenutzt ist. Die möglicherweise entfallende Funktion der Kirche als Ort regelmäßiger Gottesdienste und sozialer Träger wirft Fragen zur langfristigen Rolle und Nutzung dieses zentralen Ortes auf. Auch die Handelsstruktur stellt sich als Herausforderung dar. Zwar besteht eine hohe Nutzungsfrequenz, der Einzelhandelsbereich wird jedoch den heutigen Bedarfen sowie seiner kommunikativen und repräsentativen Funktion nicht vollends gerecht. Die überwiegend als Parkplatzflächen genutzten Straßenaufweitungen sowie die offen einsehbaren Stellplätze wirken sich unvorteilhaft auf das Straßenbild aus. Der Straßenraum entlang der Bonifatiusstraße erscheint wenig gefasst und dadurch unruhig.
Städtebauliche Leitidee. Die städtebauliche Leitidee basiert auf dem Prinzip einer sukzessiven Transformation. Die Gestaltung des öffentlichen Raums gibt dabei den Rahmen vor, alle weiteren Veränderungen auf privaten Flächen reihen sich nach und nach ein. So wird der zentrale Abschnitt der Bonifatiusstraße zwischen Servatii- und Staufenstraße zukünftig in drei zusammengehörige Bereiche gegliedert. Im Mittelpunkt, auf Höhe der Kirche, wird langfristig ein intensiv nutzbarer, multifunktionaler Gemeinschaftsbereich gesehen. Der südliche Bereich fungiert als städtebauliches Entrée und dient weiterhin der Versorgung mit Einzelhandel und Dienstleistung – schrittweise angepasst an die heutigen Bedarfe. Der nördliche Bereich bleibt dem Wohnen vorbehalten und kann unter verbesserter Nutzung vorhandener Flächen um neue Wohnangebote und Qualitäten ergänzt werden.
Der Entwurf schlägt eine klare städtebauliche Fassung des Straßenraums vor. Durch gezielte bauliche Interventionen entstehen definierte Raumkanten und neue Aufenthaltsqualitäten. Das Konzept bleibt dabei flexibel und integriert bestehende Nutzungen sensibel in die neue Struktur. Einzelne bestehende Gebäude sollen in Wert gesetzt werden, Neubauten ergänzen langfristig das Angebot aus Handel, Gastronomie, Dienstleistung, Gemeinschaftseinrichtungen und Wohnen für alle Generationen und vielfältige Ansprüche. Der ruhende Verkehr wird in wenig einsehbaren Bereichen kompakt gebündelt.
Um das Quartier mit der Umgebung zu vernetzten und eine hohe Durchlässigkeit zu den umliegenden Wohngebieten herzustellen, wird ein feinmaschiges, quartiersübergreifendes Fuß- und Radwegenetz etabliert. Zwei Hauptrichtungen prägen dabei die neue Freiraumstruktur. Zwischen Ost und West spannt sich zur stadtklimatischen Verbesserung eine blau-grüne Freiraumsequenz auf, welche als ideelle Verknüpfung zwischen Walshagenpark sowie den östlich an den Siedlungskern angrenzenden Landschaftsräumen verstanden werden kann. In Nord-Süd-Richtung wird die Bonifatiusstraße als verkehrsberuhigtes, urbanes Band mit hoher Aufenthaltsqualität neu interpretiert. Eine Durchlässigkeit für den MIV-Verkehr bleibt dabei weiterhin gewährleistet.

Lageplan, Pesch Partner | B.S.L. Landschaftsarchitekten | Brilon Bondzio Weiser

Perspektive, Pesch Partner | B.S.L. Landschaftsarchitekten | Brilon Bondzio Weiser
Jung Stadtkonzepte Stadtplaner und Ingenieure Partnerschaftsgesellschaft | scape Landschaftsarchitekten GmbH | Leinfelder Ingenieure GmbH
Erläuterungstext (Auszug):
- Ausgangslage und Leitidee
Rheine-Schotthock steht als Stadtteil mit kleinstädtischer Prägung, grünem Charakter und aktiver Bürgerschaft vor der Herausforderung, sich zukunftsfähig und lebenswert weiterzuentwickeln. Die starke soziale Durchmischung und die Integration verschiedener Kulturen bilden eine wichtige Grundlage für den sozialen Zusammenhalt. Die Leitidee des Projekts ist es, aus dem bestehenden Stadtraum ein identitätsstiftendes, lebendiges Zentrum zu formen, das die Qualitäten des Stadtteils erhält und weiterentwickelt. Ziel ist es, die historischen und strukturellen Potenziale Schotthocks – insbesondere die identitätsstiftende St. Ludgerus-Kirche – neu zu aktivieren und als Kristallisationspunkt für ein modernes, nachhaltiges Stadtteilleben zu nutzen. Dabei sollen kurze Wege, soziale Teilhabe, ökologische Verantwortung und kulturelle Vielfalt ineinandergreifen.
- Die Kirche als multifunktionaler Begegnungsort
Die ehemalige St. Ludgerus-Kirche soll erhalten bleiben und in ihrer neuen Funktion als offenes, multifunktionales Gebäude zum Herzstück des Stadtteilzentrums werden. Geplant ist ein Café im Eingangsbereich mit großzügiger Verglasung, dass die historische Fensterrosette zum architektonischen Highlight macht. Im Inneren entstehen flexibel nutzbare Räume für Gesundheit, Bildung, Jugend- und Kulturangebote. Fitness- und Yogakurse, Meditationsräume, ein Jugendtreff und ein Co-Working-Space fördern Gemeinschaft, Gesundheit und moderne Arbeitsformen. Die Kirche wird bewusst geöffnet – architektonisch durch große Glasflächen, konzeptionell durch vielfältige Angebote für alle Generationen. Sie soll nicht mehr ausschließlich kirchlich genutzt, sondern zu einem Raum für alltägliche Begegnung, Integration und soziales Miteinander werden. Falls die Kirche nicht erhalten werden kann, zeigt das Konzept auf, wie sich das Ortszentrum von Schotthock unter Beibehaltung der Qualitäten eines grünen, fußgängerfreundlichen und optimal vernetzten Zentrums entwickeln kann. Der von im Osten durch zwei Gebäude gefasster Platz wird zum großzügigen Pendant zum diagonal gegenüberliegenden neugestalteten Entréeplatz vor dem K+K Markt. Weitere stadtvillenartige Baukörper bieten neue, bisher im Stadtteil nicht vorhandene Wohnungstypen und -größen als verdichtetes Wohnen im Grünen an Stelle der ehemaligen Ludgeruskirche.
- Öffentlicher Raum und Außengestaltung
Die Aufwertung des öffentlichen Raumes kann unabhängig von der baulichen Entwicklung des Stadtteils erfolgen. Die Freiflächen rund um die Kirche werden zu einem attraktiven, grünen Aufenthaltsraum umgestaltet, der Innen- und Außenbereiche verbindet. Die Außengastronomie erweitert das Café nach draußen, Sitzinseln unter schattenspendenden Bäumen laden zum Verweilen ein. Spiel- und Bewegungsangebote für Kinder, ein Laptopgarten für junge Erwachsene und ruhige Liegewiesen schaffen Räume für verschiedenste Nutzergruppen. Veranstaltungen wie Flohmärkte, Tanzangebote oder Open- Air-Konzerte machen den Kirchplatz zum kulturellen Anker des Stadtteils. Bestehende Baumstrukturen werden erhalten, ergänzt durch artenreiche Staudenpflanzungen. Durch Entsiegelung, Versickerungssysteme und Wasserspiele wird der Platz nicht nur ökologisch aufgewertet, sondern auch zur angenehmen Klimazone im Sommer. Die Verzahnung von Innen- und Außenraum fördert die Nutzung der Kirche als offenen Stadtbaustein.

Lageplan, Jung Stadtkonzepte | scape | Leinfelder Ingenieure

Perspektive, Jung Stadtkonzepte | scape | Leinfelder Ingenieure
UTA Architekten und Stadtplaner BDA | Hannes Hörr Landschaftsarchitektur | BERNARD Gruppe ZT GmbH
Erläuterungstext (Auszug):
Unser Konzept für die Neugestaltung des Zentrums von Schotthock gliedert sich in zwei Bereiche: die Umgestaltung der Freiräume – insbesondere der öffentlichen – und eine neue bauliche Entwicklung. Die Umgestaltung der Freiräume kann zeitnah erfolgen, während die bauliche Entwicklung aufgrund der komplexen Eigentumsverhältnisse zeitlich schwerer planbar ist. Dafür haben wir das „Puzzle“ entwickelt – ein flexibles System, das es ermöglicht, einzelne Bereiche unabhängig voneinander zu entwickeln, die jedoch immer Teil eines größeren Ganzen bleiben. Eine robuste räumliche Strategie legt dabei grundlegende Prinzipien fest, lässt aber Spielraum in Abfolge und Ausformulierung.
Das übergeordnete städtebauliche und freiräumliche Ziel ist eine klare und zusammenhängende räumliche Struktur entlang der Bonifatiusstraße und die Ausbildung eines identitätsstiftenden Platzes als Stadtteilmitte.
Die Bonifatiusstraße – mehr als eine Verkehrsachse
Der öffentliche Raum soll zum Raum für alle werden. Die Zahl der Stellplätze im Straßenraum wird deutlich reduziert. Für den Nahversorger und den Einzelhandel werden Stellplätze im rückwärtigen Bereich vorgesehen. Ein durchgehender Belag der sich in Variationen durch die gesamte Mitte und über die Straße zieht, sowie eine schwellenlose Gestaltung signalisieren die gleichberechtigte Nutzung der Fläche durch alle Verkehrsteilnehmer:innen. Zahlreiche straßenbegleitende Baumneupflanzungen schaffen eine grüne Atmosphäre.
Baufeld 1: Der zentrale Bereich um die Kirche: grün, lebendig und mit Aufenthaltsqualität
Der Platz rund um die Kirche und die Bonifatiusstraße sollen baulich stärker gefasst werden. Gleichzeitig werden die derzeitigen Stellplätze vor der Kirche reduziert und in die Welfenstraße verlegt. Der Baumbestand prägt das neue stark durchgrünte Zentrum, während neue Gebäude den Platz im Norden und Westen rahmen. Durch größere Gebäudetiefen entsteht Raum für vielfältige Nutzungen. Die Erdgeschosse der Neubauten sollen öffentliche und gemeinschaftliche Funktionen aufnehmen. Auch die Kirche könnte – beispielsweise durch ein Restaurant – von ihrer besonderen räumlichen Atmosphäre profitieren und aktiv zur Platzbelebung beitragen. Die Wegeverbindung zur Bergstraße wird neugestaltet und baulich gefasst. Alternativ kann das bestehende Ludgerusforum weiterentwickelt werden. Alle großen und wertvollen Bäume bleiben erhalten.

